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Bickenriede - SC 1918

26.02.2012 - 14:00 Uhr

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1918 - 1945

1946 - 1989

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



1918 - 1945

Wir schreiben das Jahr 1918. Der 1.Weltkrieg tobt und stürzt Europa in Not und Elend, Millionen Menschen verlieren Ihr Leben. Auch viele Gottersche Männer fallen in diesem Krieg oder werden verwundet. Wer in Grossengottern Sport treiben wollte, ging zum Turnen oder war Mitglied bei einem der beiden Radsportvereine „Adler“ und „Phoenix“. Trotzdem, oder gerade deswegen gründeten 10 Männer einen Fußballverein. Am 16. Februar 1918 schlug die Geburtsstunde dieses Vereins. Hans Herbig, Otto Schmidt, Kurt Köber, Georg Schadeberg, Rudolf Herbig, Walter Koch, Kurt Muscat, Albrecht Daniel und Georg Scharr gaben ihrem Verein den Namen SC 1918 Grossengottern.


Gründungsmitglieder

1918 grnder

Hans Herbig, Otto Schmidt, Kurt Köber, Georg Schadeberg, Rudolf Herbig,

Walter Koch, Kurt Muscat, Albrecht Daniel, Georg Scharr


Unter den Farben Blau und Gelb spielte man von nun an Fußball in Grossengottern. Bereits im März 1918 waren 22 Mitglieder im Verein gemeldet. Diese spielten auf einem selbst errichteten Platz im Gotterschen Flurteil „Oberried“. Die Finanzierung des Vereins stoß in dieser schwierigen Zeit auf erhebliche Probleme, man war weitestgehend auf Mitgliedsbeiträge, Eintrittsgelder und Strafgelder angewiesen. Letztere erhob der SC gegen Mitglieder, welche sich nicht an die Vereinsordnung hielten. Mit den rasant anwachsenden Mitgliederzahlen stiegen aber auch die Vereinseinnahmen, sodass sich die finanzielle Lage besserte. Bereits 2 Jahre nach seiner Gründung waren 120 zahlende Mitglieder beim SC 1918 angemeldet. In den Jahren 1922 und 1923 wurde Deutschland von einer Hyperinflation beherrscht. Auf dem Höhepunkt dieser Inflation entsprachen 4,2 Billionen Mark dem Gegenwert von 1 US-Dollar. Die Wirtschaft brach komplett zusammen, die Arbeitslosigkeit stieg und die Löhne fielen dramatisch. Dadurch geriet auch der noch junge Verein in existenzielle Bedrohung. Das Überleben und die Rettung des SC 1918 in diesen Jahren ist sicherlich eine der herausragendsten Leistungen unserer Vereinsgeschichte. Mit Einführung der Rentenmark (1924) stabilisierte sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland, die Vereinsmitglieder machten sich daran, den Verein finanziell zu sanieren. Hierzu organisierten sie unter anderem Laienspiele und Tanzveranstaltungen. Auch veranstaltete der Verein 1924 Spiele gegen Mannschaften aus Berlin und Hamburg, die weitere Einnahmen brachten. Vereinsvorsitzender in diesen Jahren war Hugo Liedloff, genauere Angaben zu seiner Amtszeit finden sich allerdings nicht.1927 wurde der Sportplatz im Oberried aufgegeben, der neue Spielort befand sich an der Langensalzaer Straße, an der Stelle die wir später als „alten Sportplatz“ bezeichneten und auf der heute ein Supermarkt sowie ein Blumengeschäft steht. Allerdings war dieser Platz 1927 sehr klein und mit starkem Gefälle, weswegen man 1931 begann, den Sportplatz auszubauen. Nach den Plänen des Baumeisters und Ehrenvorsitzenden Baumgart entstand bis 1934 eine Sportanlage die den SC 1918 mit Stolz erfüllte und die ihresgleichen im gesamten Kreis suchte. Die Platzweihe wurde am 26. August 1934 begangen. Hierzu organisierte man einen großen Festumzug durch Grossengottern, an dem alle gotterschen Sportvereine teilnahmen und der von den Radfahrern des traditionsreichen "RB Adler" angeführt wurde. Nach einigen Reden und Danksagungen, u. a. durch den Vereinsvorsitzenden Mörstedt fanden den ganzen Nachmittag über Fußball- und Handballspiele statt. Daneben trugen die Turnerinnen des Turnvereins und die erfolgreichen gotterschen Radfahrer von "Adler" mit einigen Darbietungen zur Kurzweiligkeit bei.

Mit der Machtergreifung Hitlers begann 1933 das schwärzeste Kapitel der deutschen Geschichte. Als 1939 mit dem Überfall auf Polen der 2. Weltkrieg begann, war auch in Grossengottern nicht mehr an Fußball spielen zu denken. Erst nach Ende des Krieges wurde der Fußball in Grossengottern wiederbelebt.

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1946 - 1989

Nach Ende des 2. Weltkrieges erweckten die Sportfreunde Arno Keiderling, Kurt Hill, Hans Scharr, Heinz Zinn und Werner Krumbein den gotterschen Fußball wieder zum Leben. Ab 1946 wurde eine neue Mannschaft mit Spielern aus Alten- und Grossengottern aufgebaut. Im Spieljahr 1947/48 schaffte man das Unmögliche, völlig überraschend wurde die Mannschaft Kreismeister des Kreises Langensalza. Vater dieses Erfolges war Arno Keiderling, der die Mannschaft in der Halbserie als Betreuer übernahm. Ihm widmete unser unvergessener Heinz "Ede" Zinn seinen Aufsatz "Der Weg zur Fußballmeisterschaft 1947/48 des Kreises Langensalza". (Der Weg zur Fussballkreismeisterschaft 1947/48 berichtet von Ede) Hierin beschreibt Ede die große Entwicklung und Steigerung unserer Meistermannschaft von 1947/48 während der Saison, mit allen Höhen und Tiefen. Und wenn er von Kampf, Einsatzwille, Härte und Kammeradschaft als Grundpfeiler des Erfolges spricht, so kann das wohl auch jeder Fußballer in unserer heutigen Zeit unterschreiben. Überhaupt lassen sich aus Ede's Aufzeichnungen viele Parallelen zur heutigen Zeit finden. Auch damals war nicht alles "Friede-Freude-Eierkuchen", so gab es oftmals Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten. Und auch damals gab es von Zeit zu Zeit Probleme bezüglich des Mannschaftskaders. Irgendwie wurden die Probleme immer gemeistert und es ging weiter mit dem Fußball in Grossengottern....und dann hat man sich wieder vertragen und zusammen gefeiert!!

Einen schweren Rückschlag mußte der Verein im Januar 1951 hinnehmen. Aufgrund der gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in der Ostzone und seine einige Zeit vorher erlittenen Enteignung mußte Mannschaftsleiter Arno Keiderling seine gottersche Heimat verlassen, er ging in den Westen und fand in Bovenden ein neues zu Hause. Somit fehlte der Mann, der die Mannschaft formte und zusammenhielt. "Gans auf uns selbst angewiesen hielt unsere Mannschaft fest und kammeradschaftlich zusammen" , so Ede in seinen Aufzeichnungen. Der Verlust des erfolgreichen Betreuers schweißte die Mannschaft noch mehr zusammen. Im März 1951 gewann sie das Entscheidungsspiel um die Kreismeisterschaft gegen die bis dahin ungeschlagenen Menteröder auf dem Riesinger in Mühlhausen mit 2:0 und wurde Meister des Kreises Mühlhausen.

An dieser Stelle noch ein kleiner Blick in das gottersche Spielsystem in dieser Zeit. Man spielte damals ein "klassisches" 2-3-5 System. Ja genau, richtig gelesen. 2 Verteidiger, 3 Mann im Mittelfeld und 5 Stürmer. Nach dem Motto: Angriff ist die Beste Verteidigung!! Wenn ihr das nicht glaubt, hier die Mannschaftsaufstellung im entscheidenden Spiel um die Meisterschaft 1947/48 gegen Langensalza (von Ede):

Wand A.

Stier W.           Daniel A.

Hoffmann B.    Launer H.   Pfannkuch W.

Zureck H.  Zipf W.  Zinn H.  Scharr H.   Kiessling W.

Das Spiel ging übrigens 4:3 an uns. Vielleicht sollten sich die jeweils zuständigen Trainer heute mal an diesem System orientieren, dann klappt's auch mit den Toren und mit der Meisterschaft.

Und weil sich in der Aufstellung der Name Zipf W. findet hier noch etwas über unseren Werner. Auch heute noch, wir schreiben das Jahr 2009 ist Werner bei jedem Spiel dabei. Kaum einer weiß, daß er damals über Jahre hin der Torschützenkönig in Gottern war. Er schoß dann nicht wie unsere heutigen "Torjäger" 15 oder 20 Tore, nein Werner schoß z.B. 32 Tore 1949 oder 52 Tore 1952.

Zurück zu Arno Keiderling. Auch in Bovenden hat er immer Kontakt gehalten zu seiner gotterschen Mannschaft. Durch ihn kam es zu regelmäßigen, sogenannten "Interzonenwettkämpfen" mit der Mannschaft aus Bovenden. Die Organisation und Durchführung solcher Spiele war sehr aufwendig, mußten doch eine ganze Reihe von Anträgen und Genehmigungen eingeholt werden, um in den "Westen" reisen zu dürfen. Trotz oder gerade wegen der damit verbundenen Schwierigkeiten, waren die Fahrten nach Bovenden immer ein Höhepunkt für den Verein. Man freute sich auf ein Wiedersehen mit Arno und neben dem Fußball kam das Feiern natürlich auch nicht zu kurz. Von einer solchen Fahrt nach Bovenden berichtet Ede in seiner "Anekdote über die Westfahrt", mit dem ihm eigenen Witz und Charme. Ab 1961 waren Fahrten nach Bovenden nicht mehr möglich. Mit dem Bau der "Berliner Mauer" wurde ein ganzes Volk eingesperrt, niemand durfte mehr in die Westzonen. Erst nachdem die "Mauer" 1989 gefallen war, gab es Anfang der 90er Jahre wieder ein Freundschaftsspiel zwischen Bovenden und Grossengottern.

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Fortsetzung folgt ...

 

 

Aktualisiert (Freitag, den 07. Mai 2010 um 14:16 Uhr)